Ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert, umrundet von weitläufigen Feldern irgendwo in Frankreich: Innerhalb der Gemäuer, unter hohen romanischen Torbögen, singt eine grazile Pariserin a capella und kokettiert spielerisch mit den unterschiedlichen akustischen Möglichkeiten der architektonischen Umgebung.
Ein dröhnendes „brrr”, ein gezischtes „pssst” erhallt, gefolgt von einem inbrünstigen „wuuuh”. Abgerundete und verflachte Vokale. Silben – manchmal gedehnt, manchmal genäselt. Die Songs – ob Balladen, Hymnen, Chansons, Ständchen – sind mit einer ebenso schönen wie melodisch kraftvollen Stimme gesungen, die den Zuhörer fesselt und in ihren Bann zieht. Das kirchliche Ambiente trägt seinen Teil dazu bei und rundet die Atmosphäre ab.
„Räume sind ebenfalls Instrumente, insbesondere in a capella-Projekten”, sagt Camille. „Für mich sind Wörter wie Klang-Trampoline. Die Art und Weise, wie sie je nach Umfeld und Situation auf- und abfedern und widerhallen…” Sie hält inne, ihre blauen Augen unentwegt mit festem Blick. „Dieses mal”, sagt sie über ihr beeindruckendes neues Album Ilo Veyou, “dieses Mal dreht sich alles um Räume.”
Räume, Säle und in ihrer Heimat Frankreich gar Hallen, hat sie im Laufe ihrer Karriere oft bespielt. Dazu gehören das Pariser Zenith oder das KOKO, das Shepherds Bush Empire oder das Roundhouse in London. Egal wo die durchtriebene Französin bisher auftrat, konnte man teilhaben, wie tausende Fans spontane Live-Versionen ihrer Songs mitkreieren: Auf Tribünen wurde geklatscht, gestampft, gebellt, gehupt und genüsslich miaut. Männer entledigten sich ihrer Hemden während Frauen anfingen ihre kompletten Handtaschen auszuräumen.
In verschiedenster Weise gekleidet, ob weißes Dress, auf dem projizierte Videos zu sehen sind oder verführerisches schwarzes Kleidchen, improvisiert, dirigiert und verzaubert Camille. Und sie beobachtet, denn sie ist, wie sie sagt, zugleich ihr eigener Zuschauer.